FISA-Masters
Trakai 04.-07. September 2008
Trakai? ...Wo soll
das sein? ...Litauen? !...Mmh...Und was wollt ihr dort? ... Masters-WM
im Rudern? ...Mmh...Da startet ihr selbst?!?!?! Ach so, alles alte
Leute...Mmh...da habt ihr richtig trainiert dafür...wie oft pro Woche?
Hätt’ ich nicht gedacht! ...Na dann, viel Erfolg!
So
oder so ähnlich von unserer ungläubig erstaunten Umwelt motiviert,
starteten wir, d.h. Toni Rawitzer, Torsten Friedrich, Sven Gierspeck und
Mario Markowski, am 1. September um 2:00 Uhr morgens ins 1200km östlich
gelegene Trakai. Damit die lange Reise nicht auch noch langweilig
wird, begleiteten uns die „Regattatouristen“ Kathrin Markowski,
Sandra Rawitzer und Michael Knespel, welche in Personalunion vielfältige
Aufgaben zu bewältigen hatten. Hier einige davon: begeisterte und
lautstarke Fangemeinde darstellen, den Aktiven einfühlsam zuhören und
Mut zusprechen und ... Bier holen.

Am späten
Nachmittag erreichten wir den idyllischen, rund 30km vor Litauens
Hauptstadt Vilnius liegenden Austragungsort der diesjährigen FISA-
WORLD- Masters Regatta. Da uns ein großer, sauberer und bestens
gesicherter Zeltplatz in unmittelbarer Regattanähe erwartete, entstand
sofort ein sehr positiver Eindruck vom Veranstalter. Diese erste Einschätzung
sollte sich in den nächsten Tagen dank der hervorragenden Organisation
und Durchführung durch unsere litauischen Gastgeber bestätigen und
noch verbessern.
Unser
Umfeld, einschließlich der Wetterlage, war also bestens auf unseren
sportlichen Jahreshöhepunkt abgestimmt. So brauchten wir, um unsere
Baltikumreise harmonisch abzurunden, ja nur noch „schnell rudern“.
Bis dahin verblieben uns allerdings noch zwei Tage Zeit, die wir
selbstverständlich zum „langsamen Rudern“, also Training, aber auch
zur Erkundung von Trakai, Vilnius und der guten litauischen Küche
nutzten. Wir staunten über die riesige Wasserburg als Wahrzeichen
Trakais, das saubere Vilnius, über glitzernde Luxuswagen und ärmliche
Holzhütten.
Am
Freitag morgen wurde es endlich ernst. Ausgeruht und um den Leipziger
Ruderkameraden Bernd Schmid vom ARVL verstärkt, sahen wir, leicht
angespannt, dem ersten Rennen (D4 der Masters B) entgegen. Bei bestem
Ruderwetter gelang unserem Vierer ein guter Start und er preschte, knapp
vor der zweiten deutschen Mannschaft liegend, als erster über die 500m-
Marke. Doch Torstens nicht ganz ernst gemeinte Befürchtung, dass die im
B- Vierer rudernden Sven Gierspeck, Toni Rawitzer und Mario Markowski
nach einem ersten Sieg für weitere Rennen unbrauchbar würden, entkräftete
die Mannschaft durch das zielstrebige Ansteuern der Bojenkette im
Endspurt. Dadurch schwer abgebremst erreichte das Boot dennoch einen
respektablen zweiten Rang. Durch diese Platzierung nicht zu der von
Torsten beargwöhnten unsportlichen Lebensweise animiert, konnten wir
das am frühen Nachmittig stattfindende Masters A-D2- Rennen gespannt
erwarten.

Der
sonst redselige Torsten verstummte mit der näher rückenden Startzeit
zusehends. Den beiden Joungstern unserer Truppe war die Frage:“
Können wir unseren Sieg vom Vorjahr wiederholen?“ von den Augen
abzulesen. Höchstmotiviert gestartet, lieferten sie sich mit den im
letzten Jahr ebenfalls hervorragend rudernden Sportfreunden von Dynamo
Moskau ein erbittertes Duell. Lange Zeit gleichwertig und bis zur
absoluten physischen Erschöpfung kämpfend, mussten Sven und Torsten
den bärenstarken russischen Ruderkameraden an der Ziellinie den
Vortritt lassen. So ging unser erster Wettkampftag ohne das erhoffte um
den Hals hängende „Gebimsel“ zu Ende. Torsten sparte sich aber
dadurch eine eventuelle Tugend-Nachtwache und so betrachtet, hatte
unsere Sieglosigkeit auch etwas Positives.
Mit
Sonnenschein, wenig Wind und 24°C zeigte sich das Masters- WM-Wetter am
Samstag bestens geeignet, um erneut auf „Gebimsel“ -jagd zu gehen.
Das sagte sich auch die am Vortag im B- D4 siegreiche deutsche
Renngemeinschaft, der sich unser A- Vierer wiederum stellen
„durfte“. Diesmal verließ das mit Torsten Friedrich, Toni Rawitzer,
Mario Markowski und Schlagmann Sven Gierspeck besetzte Tritonboot die
Startbrücke nicht ganz so druckvoll wie am Freitag. Es gelang ihnen
zwar schnell, der internationalen Konkurrenz das Heck zu zeigen, doch
mehr als „dranbleiben“ am anderen deutschen Vierer war trotz großer
Verausgabung und kraftvollem Endspurt nicht drin. Mit dem dritten 2.
Platz in Folge entwickelte sich die Regatta für uns offenbar zur
„Vize-Meisterschaft“! Oder?
Torsten
und Sven sollten am Sonntag noch die Gelegenheit haben, das Steuer
herumzureißen. Doch vorher beendeten Toni und Mario nebst Gefolge und
vielen hundert anderen Ruderern zünftig ihre Regattasaison und
versuchten nach Kräften der litauischen Brauereiwirtschaft positive
Impulse zu versetzen. Übrigens: Torsten war’s egal!

Wie zu
erwarten, schauten am Sonntag ein paar von uns zwar ziemlich müde, doch
umso erwartungsvoller auf die Regattastrecke. Beim pünktlich erfolgten
Start war die Müdigkeit verflogen und mit den immer näher kommenden
bunten Punkten, als welche die Boote anfangs auszumachen sind, keimte
langsam die Hoffnung auf, dass unser mit den Dresdner Ruderinnen Andrea
Haaser und Annika Radtke sowie Torsten und Sven besetzter Mix- Vierer
die Phalanx der zweiten Plätze durchbrechen könnte. Wie erhofft gelang
es dann auch.
Unangefochten
und nicht nur durch den weiblichen Anteil im Boot „formschön“,
erruderte unser Sachsenpfeil den ersten und einzigen Triton- Sieg dieser
Regatta. Nach dieser phänomenalen Leistung war natürlich ausgiebiges
Gratulieren, Herzen und Fotografieren angesagt. Allen heimischen Lästermäulern,
die hämisch behaupteten, unsere „Jungschen“ hätten sich von den Mädels
zum Sieg ziehen lassen, sei an dieser Stelle ausdrücklich
widersprochen. Die Frauen waren nur zuerst im Ziel, weil sie auf Platz 1
und 2 saßen. So!

Zeit zum
ausgiebigen Feiern ließ uns dieser letzte Wettkampftag leider nicht,
denn nun wartete all die Arbeit eines jeden Regattaendes. Nachdem alles
verpackt und festgezurrt war, verabschiedeten sich Toni, Mario und die
Regattatouristen zu einem Super- Kurzurlaub an die Kurische Nehrung und
Sven und Torsten machten sich flugs auf den Heimweg.
Wer es noch
nicht wusste: die Kurische Nehrung ist eine 100km lange, sehr schmale
und mit bis zu 70m hohen Wanderdünen einmalige Halbinsel an der
litauisch- russischen Ostseeküste. Sehenswert!

Bei der
langen Rückreise hatte jeder ausgiebig Gelegenheit, das Erlebte zu
verarbeiten und sein persönliches Fazit zu ziehen. Hier der Versuch
eine Zusammenfassung:
Torsten
und Sven haderten etwas mit den zweiten Plätzen und besonders mit der
nicht gelungenen Zweier- Titelverteidigung, sind jedoch durch den schönen
Mix- Vierer- Sieg besänftigt. Toni und Mario waren etwas unsicher, ob
ihre dank langjähriger Regattapause eingerosteten Ruderfertigkeiten für
diese Veranstaltung ausreichen würden. Sie konnten aber feststellen,
dass sie gut dabei und auf dem richtigen Weg sind. Die Regattatouristen
hatten nichts zu meckern, viel zu gucken und eine tolle Zeit.
Insgesamt
war es, neben dem erfolgreichsten Abschneiden unseres Vereins bei einer
Masters- WM, eine perfekte Veranstaltung bei perfektem Wetter in
perfekter Umgebung. So können wir nur sagen: nicht alles wird –
sondern alles war gut!
Aufgeschrieben
von Mario Markowski